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Sozialpädagogik

Der Zentrumsbetrieb verfügt über eine Betriebsbewilligung des Amtes für Soziales des Kantons St. Gallen. Das Amt beaufsichtigt das Zentrum als kantonale Kontrollinstanz.

Sozialpädagogik

Mit der Betreuung durch sozialpädagogisches Fachpersonal wird sichergestellt, dass das Zusammenleben auf Wertschätzung und Verbindlichkeit basiert und die UM im Hinblick auf eine erfolgreiche Alltagsbewältigung die notwendige Unterstützung erhalten. Dabei sind das Erlangen von Kompetenzen zum selbständigen Leben und das Erlangen der deutschen Sprache von zentraler Bedeutung. In der ganzen Institution wird deshalb prinzipiell Hochdeutsch gesprochen. Um die Integrationsziele zu erreichen, basiert das sozialpädagogische Prinzip auf Eigenverantwortung und Partizipation der Kinder und Jugendlichen. Es wird mit einer auf die Jugendlichen abgestimmten Förderplanung gearbeitet, welche verschiedene Stufen beinhaltet. Die Stufen sind geprägt durch folgende Lernfelder:

  • Selbstorganisation des persönlichen Alltags
  • Achtsamkeit in der eigenen Körperwahrnehmung und -pflege
  • Kennenlernen des kulturellen und gesellschaftlichen Rahmens in der Schweiz
  • Umgang mit Regeln, Strukturen und Finanzen
  • Persönliche Freizeitgestaltung und Aufbau eines eigenen Sozialnetzes
  • Förderung der Selbstreflexion
  • Abbau von Ängsten und Vorurteilen
  • Übernahme von Verantwortung für sich und das Umfeld
  • Bewältigung von Konflikten und Krisen
  • Aufarbeiten der Biografie
  • Förderung der Interaktion zwischen den Jugendlichen
  • Erlangen von mündlicher wie schriftlicher Sprachkompetenz

Nachvollziehbare und transparente Rahmenbedingungen, Regeln und Konsequenzen, an die sich alle Personen im Internat halten, dienen dem friedvollen und sicheren Zusammenleben im Zentrum. Diese Rahmenbedingungen werden durch das sozialpädagogische Fachpersonal und die sozialpädagogische Leitung, sowie die Zentrumsleitung, welche die Verantwortung für die Sicherheit und Qualität im Internat haben, gesetzt. Die Leitung überprüft die Aktualität der Rahmenbedingungen alle drei Jahre und zieht in diesen Überprüfungsprozess auch die Meinung der Kinder und Jugendlichen ein, im Bewusstsein darüber, dass wir in einer sich schnell verändernden Zeit leben, in welcher sich Bedürfnisse und Rahmenbedingungen verändern. Nach der Aktualisierung ist der gelegte Rahmen bis zur nächsten Überprüfung für alle wieder verbindlich. Die Verbindlichkeit dieses Rahmens ist für die system- und lösungsorientierte pädagogische Arbeit von zentraler Bedeutung. 

Grundsätze der sozialpädagogischen Arbeit

Die von der Schweiz ratifizierte Kinderrechtskonvention bildet die Basis für die sozialpädagogische Arbeit im Internat für UM. Die Unantastbarkeit der Menschenwürde gibt der Selbstbestimmung jedes Kindes und jedes Jugendlichen hohe Beachtung. Gegenseitige Wertschätzung, die sich in Achtsamkeit, Aufmerksamkeit und Präsenz zeigt, ist die Basis eines respektvollen, kooperativen Miteinanders. Somit werden Kinder und Jugendliche im Internat Marienburg als individuelle Persönlichkeiten gesehen, die ihr Leben aktiv mitgestalten möchten.

Im systemorientierten Handlungskonzept als Systematisierung des pädagogischen Handels wird dieses Prinzip abgebildet. Die kontinuierliche Arbeit orientiert sich an den individuellen Zielen der Kinder und Jugendlichen und baut auf den Potentialen und Ressourcen auf. Dies geschieht unter anderem dadurch, dass die individuellen Fähigkeiten der Kinder und Jugendlichen in den Alltag im Internat einbezogen werden, sei es im Zusammenleben auf der Wohngruppe, in Freizeitangeboten oder in schulischen Settings.

In diesem Zusammenhang legen wir Wert darauf, dass die Kinder und Jugendlichen auch voneinander lernen sollen und somit ihr Selbstwertgefühl stärken können (Peer-Education).

Systemorientierte Sozialpädagogik

Die sozialpädagogische Arbeit im Internat Marienburg richtet sich nach der «Systemorientierten Sozialpädagogik in der Praxis». Diese anerkennt die Autonomie und Eigendynamik der Systeme, mit denen sie arbeitet. So wird weniger die Suche nach der Problemursache, als vielmehr die Frage des Umgangs mit unterschiedlichen Ursachen und Kausalitätsvorstellungen in der sozialen Praxis bedeutsam. Statt vorrangig auf Schwächen, Defizite und Probleme zu achten, fokussiert eine systemische Vorgehensweise vorhandene bzw. versteckte Stärken, Kompetenzen, Ressourcen und Lösungen. Damit wird eine positive Entwicklung begünstigt und die Autonomie respektiert.

Die sozialpädagogische Grundhaltung des systemischen Denkens baut dabei auf einem positiven Menschenbild und einer wertschätzenden Grundhaltung auf. Systemische Vorgehensweisen basieren auf einer wertschätzenden Perspektive. Wertschätzende Handlungen (zum Beispiel positive Rückmeldungen und Komplimente) sind auf eine passende Grundhaltung angewiesen. Wertschätzung meint nicht, dass Problematisches oder Kritisches totgeschwiegen oder beschönigt wird. Probleme sind Herausforderungen, die jeder Mensch auf seine ganz persönliche Art bewältigt. Es ist wichtig, dem Kind / Jugendlichen genau zuzuhören und sie ernst zu nehmen, sich am Gelingen zu orientieren und davon kleine Schritte für die Zukunft abzuleiten.

Serge
Baumgartner

Leiter Integration